Accueil > Untersuchungs­schwerpunkte > Untersuchungsschwerpunkte

Untersuchungsschwerpunkte


Ziel des Projektes war die Prüfung von Hypothesen, die in Bezug auf die Interdependenz und Hierarchisierung der Fundstellen und ihrer Territorien, sowie die Entwicklung einer gewissen sozialpolitischen Komplexität (d.h das « Häuptlingstum », Sahlins 1974, Renfrew 1974) möglicherweise für das gesamte Spätneolithikum Europas relevant sind. Im Verlauf der letzten 40 Jahre, entwickelte sich die Interpretation neolithischer Erdwerke von einer « materialistischen » (Wirtschaft, Austausch, Verteidigung), zu einer « soziologischen » Sichtweise (soziale und politische Folgen) bevor eine « relativistische » Konzeption (Identität und Kollektivgedächtnis) , die nachfolgend im Zusammenhang mit anthropologischen Befunden von Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen die Debatte monopolisierte (Hodder 1990, Darvill, Thomas 2001, Keeley 1996) ; die Umwelt- und Klimaeinflüsse auf die ersten agropastoralen Gesellschaften bildeten schließlich die Grundlage für die nachfolgenden Modelle (Magny 2004, Gronenborn 2007). Ein Modell « demokratischer » Gruppenstrukturen (Testart 2012) schließt die Serie ab. Diese verschiedenen Modelle im Zusammenhang mit den prähistorischen Gesellschaften blieben abzuwägen und unter verschiedenen Aspekten zu testen:
- die bislang ausgebliebene Auswertung der Umweltanalysen;
- der Salzabbau, ein relativ neues Forschungsthema für das Neolithikum, betrifft ausschließlich Deutschland, da nur dort reiche Salzressourcen anstehen, deren mögliche Nutzung im Neolithikum bislang unerforscht blieb;
- die eingehende Untersuchung der Silexnutzung für die Fundstellen im Pariser Becken;
- die Keramikproduktion, die hier erstmals in kombinierter Analyse mit einer sowohl typologischen als auch technischen Herangehensweise analysiert wird;
- die archäozoologische Auswertung der Tierknochen, wobei für die französischen und deutschen Fundstellen dieselben Methoden zur Analyse der Tierknochen sowie der Knochen- und Geweihgeräte angewendet werden.
Diese vielfältigen Herangehensweisen, die in GIS-Datenbanken kombiniert werden, ermöglichen es, die Gliederung der Siedlungsterritorien zu beschreiben.

Wissenschaftliche und technische Methoden
Die Untersuchungen zur Paläoumwelt umfassten die Entnahme neuer Bohrprofile und das Erstellen einer allgemeinen Synthese der Pollenindikatoren anhand einer für das Spätatlantikum (5200 bis 3400 cal BC) erstellten Datenbank, vorrangig anhand von Fundstellen im Pariser Becken (Seine, Marne, Oise, Aisne). Zusätzliche Proben wurden genommen, um die Holzkohleanalysen zu vervollständigen.
Die Methoden zur Analyse der Tierknochen beruhen auf der Bestimmung der Tierarten, der Aufnahme der morphometrischen Daten, dem Aufstellen von Schlachtkurven, der Analyse von Schnittspuren, um Schlachtpraktiken zu ermitteln, sowie schließlich auf Isotopenanalysen, um Rückschlüsse auf die Ernährung der Tiere zu ziehen.
Die Untersuchung der Rohmaterialien (Silex, Sandstein, Kalkstein sowie Ton und Tonrezepturen) stützt sich auf die über mehrere Jahre aufgebauten Referenzsammlungen (Referenzsammlung von Soissons), die dank des MK-Projektes vervollständigt werden konnten. Die angewandten Methoden beruhen auf der systematischen Prospektion von Lagerstätten, einer vergleichenden makroskopischen Analyse und, in Bezug auf die Keramik, auf der Untersuchung von Dünnschliffen unter dem Polarisationsmikroskop.
Die Untersuchung der archäologischen Fundgegenstände (Silex-, Felsgestein-, Knochen- und Geweihartefakte, Mahlsteine, Keramik) basiert, ausgehend von makro- und mikroskopischen Stigmata, auf der Beschreibung der Abbausequenzen.
Im Hinblick auf eine mögliche Nutzung von Salzquellen, stützen sich die kombinierten Analysen auf ein Inventar der natürlichen Ressourcen in Deutschland (georeferenzierte Datenbank), auf raumbezogene sowie statistische Analysen (GIS). Des Weiteren wurden zahlreiche Bohrprofile aus Salzquellen entnommen, in der Hoffnung mögliche Holzkohlekonzentrationen zu erfassen. Chemische Analysen (XRF) sollten die Verwendung von bestimmten Keramikgefäßen für die Herstellung von Salz oder die Konservierung von Nahrungsmitteln erklären. Ausgehend von Informationen aus historischen Archiven, von topographischen Bezeichnungen und geologischen Angaben wurde eine Datenbank der Salzvorkommen (752 Einträge) angelegt.
Die Territorialanalysen stützen sich auf zwei räumliche Datenbanken (GIS), die eine für die Erdwerke, die das gesamte Gebiet der Michelsberger Kultur umfasst, die andere für zwei Teilarbeitsgebiete (Pariser Becken und Rhein-Main-Gebiet) mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der verschiedenen Belegungstypen. Ausgehend von der archäologischen Dokumentation wurden mit dem Programm Archaedyn (Gandini et al. 2012) « Verlässlichkeitskarten » und Konfidenzkarten erstellt. Bei den raumbezogenen Analysen wurden Datenbanken zu den archäologischen Funden und solche mit Umweltdaten in zwei Testzonen (Aisne, Seine) anhand einer Reihe von verschiedenen statistischen Tests (Konzentration, Abstände, PCA) kombiniert, um multivariate Umweltkontexte zu definieren und Fundstellen mit ähnlichen Kontexten zu gruppieren (Hierarchische Clusteranalyse).

In vorliegendem Projekt sollen vorrangig drei Hauptaspekte des 5. und 4. vorchristlichen Jahrtausends in Nordwesteuropa behandelt werden:
- der zeitliche Rahmen und das natürliche Milieu,
- die Funktion und die Nutzung der Fundstellen (hauptsächlich der Erdwerke),
- und schließlich die Nutzung der Rohstoffressourcen, ihre Verteilung und die Organisationsstruktur der Siedlungsterritorien.

NATÜRLICHE UMWELT UND ZEITLICHER RAHMEN

In Bezug auf die natürliche Umwelt, in der die Michelsberger Erdwerke errichtet wurden, sollen zwei Aspekte untersucht werden: zum einen der Pflanzenbewuchs und zum anderen das Ressourcenpotential für zwei entscheidende Rohstoffe, Silex und Salz. Der zeitliche Rahmen dieser Interaktion Mensch/Umwelt soll detailliert und in großem Umfang untersucht werden.

Pollenanalyse (C. Leroyer, M. Boulen) und Geomorphologie-Sedimentologie (M. Chartier, Y. Le Jeune)

Der Einfluss der jungneolithischen Gruppen auf die Landschaft scheint schwach zu bleiben, auch wenn sich in zahlreichen Pollenprofilen aus verschiedenen Alluvialbecken (Oise, Marne und Seine) Siedlungsaktivitäten niederschlagen. Zur Zeit der Michelsberger Kultur mehren sich die Anzeichen für verstärkten Ackerbau und Weideaktivitäten in dichter besiedelten Gebieten, aber manche Täler scheinen von anthropogenen Eingriffen völlig unberührt zu bleiben.
- Ziele. Diese Daten zur Naturlandschaft und ihrer Anthropisierung müssen mit dem klimatischen Kontext der Zeitperiode verglichen werden. Dazu gehören die genaue Datierung der Schichtabfolgen, die Lokalisierung der Profile innerhalb der Alluvialebenen, die Ermittlung von prähistorischen Feuchtgebieten aufgrund des Spektrums der hydrophilen Pflanzenarten und Isotopenanalysen.
Im Rahmen des Forschungsprogrammes soll eine Synthese der bereits durchgeführten Untersuchungen erfolgen und die Umweltdaten in den Arbeitsgebieten des Transsekts durch die Prospektion neuer Torfstandorte außerhalb der archäologischen Fundstellen in zwei Schlüsselgebieten, dem Vesletal und dem Marnetal, in ihrem direkten Bezug zu den Fundstellen der Michelsberger Kultur ergänzt werden. Die diese großen Anlagen umgebende Naturlandschaft ist oft unzureichend dokumentiert und soll daher genauer beschrieben werden (Jablines, Vignely). Zudem soll der Einfluss der Erdwerke auf die Umwelt ermessen werden. Zurzeit liegt eine ausreichende Anzahl an Pollenprofilen für Hessen vor. Für Sachsen-Anhalt sind im Rahmen des Projektes zunächst keine neuen Profile vorgesehen. Die zur Verfügung stehenden Daten sind für einen zusammenfassenden Vergleich ausreichend.
- Beteiligte Wissenschaftler. G. Allenet, M. Boulen, M. Chartier, A. Kreuz, Y. Le Jeune, C. Leroyer, O. Weller

Rohstoffressourcen

Im Rahmen des Projektes ist die Untersuchung von zwei „strategischen“ Rohmaterialien, Silex und Salz, geplant. Dabei sollen die Lagerstätten der natürlichen Ressourcen als solche untersucht werden bevor dann archäologische Aspekte im Zusammenhang mit ihrer Nutzung und Verteilung behandelt werden.

Silex (F. Bostyn, D. Gronenborn, L. Manolakakis)
Aufgrund der vielfältigen Gesteinsaufschlüsse besitzt das Pariser Becken ein bedeutendes Potential an abwechslungsreichen Lagerstätten: Sandstein, Silex aus Sekundär- und Tertiärablagerungen. Im Jungneolithikum entwickelt sich der Grubenabbau von Silex, der vor allem die Herstellung von Beilen, aber auch von Klingen im Verbreitungsgebiet der Michelsberger Kultur zur Entfaltung bringt. Zwei Fundstellen am Rand des Arbeitsgebietes waren Gegenstand von Ausgrabungen (Jablines) bzw. von Prospektionen und Aufarbeitung von Sammlungen (Flins-sur-Seine). Im Zentrum des Michelsberger Verbreitungsgebietes im Pariser Becken sind die Rohmaterialvorkommen von Romigny-Lhéry (Marne) bekannt, ohne dass dort jedoch Abbaustrukturen identifiziert werden konnten. Die Produktionen aus anderen Minen im Michelsberger Verbreitungsgebiet, wie Spiennes (Belgien) oder Rijckholt (Niederlande) sind überregional verbreitet.
- Ziele. Die Erforschung der in der Nähe der Fundstellen zur Verfügung stehenden Rohmaterialvorkommen in Teilarbeitsgebieten im Pariser Becken (Aisne, Marne) verfolgt das Ziel, Vergleichssammlungen für die Untersuchung der archäologischen Fundinventare aufzubauen. Für einen Teil des Pariser Beckens stehen bereits Lithotheken zur Verfügung (für Silex aus mesozoischen Ablagerungen im Norden der Picardie und für alle Rohmaterialien im Aisnetal), eine ergänzende Untersuchung innerhalb der Hauptproduktionsgebiete (Romigny-Lhéry, Marnetal, Zusammenfluss Seine-Oise und Vexin) ist jedoch erforderlich.
- Beteiligte Wissenschaftler. L. Aubry (Marne-Aisne), F. Bostyn (Nord), H. Collet (Spiennes), G. Fronteau (Aisne-Marne), D. Gronenborn (Hessen), Y. Lanchon (Marne), C. Liétar (SIG), L. Manolakakis (Aisne), B. Robert (Aisne), K. Rassmann (Geophysik).

Salz (O. Weller, K. Sommerwerk).
Die Nutzung von Salz im Neolithikum ist ein recht neues Forschungsgebiet. Die seit zehn Jahren in verschiedenen Teilen Europas, wie beispielsweise in Ostfrankreich, durchgeführten Untersuchungen zeigen die Bedeutung, die diesem Rohstoff zukommt, insbesondere in Bezug auf Fragestellungen, die mit der sozialen und politischen Komplexität verbunden sind. Im Zusammenhang mit unserem Projekt finden sich reiche Salzquellen innerhalb des Michelsberger Verbreitungsgebietes ausschließlich in Deutschland. Die Nutzung dieser Salzquellen im Neolithikum ist kaum erforscht (Müller 1987).
- Ziele. Ein Katalog der Salzvorkommen soll in zwei Teilarbeitsgebieten des Transsekts (Hessen und Sachsen-Anhalt) erstellt werden. Diese Salzquellen sind nicht nur besonders reich, sondern sie wurden auch aufgrund ihrer historisch nachgewiesenen Nutzung ausgewählt. Der Nachweis für jungneolithischen Salzabbau ist jedoch noch zu erbringen.
- Beteiligte Wissenschaftler. O. Weller, K. Sommerwerk

Datierungen (J. Dubouloz, D. Gronenborn)
- Ziele. Drei Typen von Fundkontexten sollen mittels Radiokarbonmessungen datiert werden: die archäologischen Fundstellen, die Salzlagerstätten und die paläoökologischen Verprobungsstandorte.
Die Datierung der Michelsberger Kultur ist annähernd bestätigt (zwischen 4200 und 3600 v. Chr.), aber der genaue Anfangs- und Endpunkt sowie die verschiedenen Entwicklungsetappen müssen noch genauer bestimmt werden. Im Vergleich zur Dichte der Fundstellen und ihrer weiträumigen Verbreitung ist die Anzahl der 14C –Daten im aktuellen Katalog gering. Zudem ist er in Bezug auf die datierten Probematerialien, die Verlässlichkeit der ausgewählten Datierungszusammenhänge und die Messungen in zahlreichen unterschiedlichen Labors, welche Vergleiche erschweren, sehr heterogen. Die gesamte Michelsberger Kultur sollte mit Rücksichtnahme auf Verprobungsprotokolle und Messungen nach internationalem Standard neu datiert werden.
Andererseits müssen die paläoökologischen Standorte und die Salzquellen genau datiert werden, damit sie effizient in die Untersuchung miteinbezogen werden können.

FUNKTIONEN UND NUTZUNG DER ERDWERKE

Das vorliegende deutsch-französische Forschungsprogramm ist auf die Ortung und Datierung neuer Fundstellen und neuer Proxydaten ausgerichtet. Ebenso zielt es darauf ab, die Art, den Rhythmus und die Periodizität der wichtigsten Aktivitäten, die sich in den Erdwerken abspielten, zu identifizieren. Abschließend sollen die raumbezogenen und funktionsbedingten Flächenverteilungen der wichtigsten Artefaktgruppen und mögliche Fundkonzentrationen erfasst werden.

Grabungen, Sondagen, Kontrolluntersuchungen im Feld (J. Dubouloz, S. Friederich, Y. Lanchon†)
- Ziele. In drei Teilgebieten des Transekts sollen in Deutschland und Frankreich geophysikalische Prospektionen, Grabungen, Sondagen und Kontrollgrabungen (Aisne-Marne, Hessen, Sachsen-Anhalt) erfolgen, um neue Datensätze zum Verständnis der Zuordnung dieser Fundstellen zur Michelsberger Kultur zu gewinnen und neue Informationen zur Funktion und zur Verwendung der Erdwerke zu sammeln.

- Beteiligte Wissenschaftler. J. Dubouloz (Aisne), S. Friedrich und F. Lüth (Sachsen-Anhalt), Y. Lanchon† (Marne), S. Fetsch, D. Gronenborn (Hessen), J. Schröter (Sachsen-Anhalt), K. Rassmann (geophysikalische Prospektionen-technische Ausrüstung)

Untersuchung der Fundgegenstände
- Ziele. Mit der Untersuchung der Fundgegenstände sollen die wichtigsten Aktivitäten, die in den Erdwerken stattfanden, bestimmt werden. Die am besten bekannten Erdwerke - Carvin (Nord), Mairy (Ardennes), Bazoches-sur-Vesle (Aisne), Vignely (Seine-et-Marne), Noyen-sur-Seine (Seine-et-Marne) – stehen dabei im Mittelpunkt. Aus dieser Untersuchung werden sich unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten für die Art der Nutzung(en) ergeben - Siedlungsaktivitäten oder andere Aktivitäten, dauerhafte oder periodische Nutzung – sowie für die Definition des Integrations- und Interaktionsgebietes, das durch die Hinterlassenschaften auf lokaler, aber auch überlokaler und regionaler Ebene herausgestellt wird.
- Technologie und Typologie der Silexgeräte (F. Bostyn, D. Gronenborn, L. Manolakakis).
Die Beschreibung der nach Rohmaterialien unterschiedenen Geräteproduktion verfolgt das Ziel, die Versorgungssysteme (vom erprobten Block bis zum fertigen Gerät) genauer zu bestimmen. Die Überlegung zur Funktion der Fundstellen wird durch die Ermittlung der Prozentanteile jeder einzelnen Werkzeugkategorie gestützt.

JPEG - 232.6 kB
Klingen und Pfeilspitzen der Michelsberger Kultur im Aisnetal (CNRS, Foto S. Oboukhoff)

- Rohmaterial und Typologie der Felsgesteingeräte (C. Monchablon)
Die Felsgesteingeräte aus Sandstein und auch aus Kalkstein stehen hauptsächlich mit Mahl-, Polier- und Schleifvorgängen (von Mineralien, Knochen, Holz,…) sowie mit der Verarbeitung von Pflanzenfasern im Zusammenhang. Ihre Bestimmung durch eine technisch-funktionale Analyse der Serien aus Carvin, Bazoches-sur-Vesle und Osly-Courtil ist für die Interpretation dieser Fundstellen von großer Bedeutung.

- Analyse des Fleischverbrauchs und Untersuchung möglicher Saisonalität (L. Hachem)
Ergänzende Analysen (für Bazoches-sur-Vesle, Osly-Courtil und Crecy-sur-Serre) sind notwendig, um eine Synthese zur fleischlichen Ernährung und zur Viehzucht in der Michelsberger Kultur zu erarbeiten und um die Fragestellungen zur Art der Nutzung der Erdwerke zu klären.
Das Problem der dauerhaften oder saisonalen Belegdauer dieser Fundstellen ist ein erster Punkt, der anhand des Vergleichs der Schlachtkurven der Rinder und Schweine und der Isotopenanalyse von Tierzähnen (50 Proben) erörtert werden soll. Die Umwelt, in der die Rinderhaltung erfolgte – offenes oder begrenztes Areal ? Zufütterung? – ist ein zweiter zu behandelnder Punkt. Die 13C-Analysen dürften diese Fragen durch den Vergleich der chemischen Anzeiger von Hausrindern und Auerochsen klären.
Schließlich soll eine Verbindung zwischen dem Siedlungstyp, dem Ernährungstyp und den Abfällen hergestellt werden.

- Technotypologie der Knochengeräte (Y. Maigrot)
Die Gebrauchsspurenanalyse der Knochenwerkzeuge und die Ermittlung ihres Verwendungszwecks (Werkzeug oder Symbolgegenstand) sollen Hinweise auf die Funktion der Fundstellen und der dort erfolgten Aktivitäten liefern. Es sollen insbesondere untersucht werden, ob Geräte mit spezifischen handwerklichen Tätigkeiten (Töpfern, Fellbearbeitung, Verarbeitung von Pflanzenmaterial, etc.) in Zusammenhang stehen.

- Karpologie und Anthrakologie (M.F. Dietsch-Sellami, A. Kreuz, A. Salavert)
Regionalen Synthesen soll Vorrang gegeben werden, auch wenn Zusatzuntersuchungen zu einigen Fundstellen auf französischer Seite vorgesehen sind (Bazoches und Carvin).

- Untersuchung des Tonmaterials sowie der Keramiktypologie und -technologie (C. Colas, J. Dubouloz, F. Giligny, S. Kuhlmann, L. Manceau, M. Regert, B. Robert, B. Vanmonfort)
Die Materialanalyse der Keramik kann dank der Bestandesaufnahme der Vorkommen (B. Robert) im Aisnetal auf kleinräumiger Ebene erfolgen. Bei den monumentalen Anlagen von Bazoches-sur-Vesle und Maizy geht es um Fragen zur Homogneität/Heterogeneität der aufgefundenen Keramikkomplexe und um den Nachweis von möglichen Importen und Austausch über kurze und lange Entfernungen. Diese Fragestellung bezieht sich unmittelbar auf die Hypothese von überlokalen Zentren, die bei der Interpretation solcher Fundstellen in Betracht gezogen wurde.

JPEG - 91.2 kB
Keramik des Michelsberger Erdwerkes von Bazoches-sur-Vesle (CNRS, Foto Trajectoires).

Es sollen auch Herstellungsvarianten und technische Gemeinsamkeiten innerhalb der Michelsberger Kultur beschrieben, sowie regionale Unterschiede und fundortspezifische Merkmale identifiziert werden. Vorausgehende Analysen zu organischen Rückständen werden durchgeführt, um ein zukünftiges Projekt zur Funktion der Gefäße auszuarbeiten (M. Regert).
In der nördlichen Oberrheinregion soll der Datenbestand zur Michelsberger Kultur zusammengefasst und in der geplanten Gemeinschaftsdatenbank nach einheitlichen und überregional vergleichbaren Kriterien erfasst werden. Grundlage dieser flächendeckend geplanten Erfassung sind die derzeit laufenden und für die nächsten Jahre geplanten Universitätsabschlussarbeiten (Kuhlmann 2008; in Vorbereitung; Richter in Vorbereitung).

JPEG - 146.5 kB
Keramik der Michelsberger Kultur aus dem Erdwerk Kapellenberg (Hessen) (Foto RGZM).

- Beteiligte Wissenschaftler. F. Bostyn, V. Brunet, C. Colas, H. Collet, R. Cottiaux, J. Coudert, M.F. Dietsch-Sellami, J. Dubouloz, E. Ghesquière, F. Giligny, D. Gronenborn, L. Hachem, R. Irribarria, F. Joseph, A. Kreuz, S. Kuhlman, C. Laurelut, Y. Maigrot, L. Manolakakis, C. Marcigny, C. Monchablon, I. Praud, M. Regert, B. Robert, A. Salavert, J. Schröter, B. Vanmonfort.
Verteilungsmuster der Artefakte und raumbezogene Analysen innerhalb der Fundstellen (J. Dubouloz, Y. Lanchon†, L. Aubry)
- Ziele. In manchen Fällen (Carvin, Bazoches-sur-Vesle, Vignely, Noyen-sur-Seine, Mairy) erlauben es die Flächenausdehnung der Grabung und der gute Erhaltungszustand der Originalbefunde, eine raumbezogene Analyse der Fundgegenstände vorzunehmen. Ziel ist es hierbei, über die Kombination und die Verteilung der wichtigsten Fundkategorien, präzise Fundkombinationen zu definieren und mögliche Fundkonzentrationen zu erfassen: innerhalb einer Fundstelle, aber auch zwischen verschiedenen Fundstellen. Die wichtigsten Fundkategorien können so bestimmt werden (Siedlungsaktivitäten/andere Aktivitäten) und ihre räumliche und zeitliche Verteilung soll untersucht werden, um noch unbekannte Abschnitte der Besiedlungsgeschichte dieser Fundstellen zu rekonstruieren.
- Beteiligte Wissenschaftler. L. Aubry, J. Dubouloz, Y. Lanchon†, C. Laurelut, C. Monchablon, I. Praud, J. Schröter

ROHSTOFFNUTZUNG, TAUSCHNETZE, TERRITORIEN

Importierter Silex und Felsgestein (F. Bostyn, L. Manolakakis, Pariser Becken ; D. Gronenborn, Hessen)
- Ziele. Durch die Analyse der Steinrohmaterialien und die Lokalisierung der Lagerstätten, von denen manche in mehreren hundert Kilometern Entfernung liegen, wird die Rekonstruktion von Verteilernetzwerken angestrebt. Die unterschiedliche Materialwahl, vorwiegend lokale oder hauptsächlich importierte Rohstoffe, soll zur Klärung von Ressourcenkontrolle und Verteilersystemen beitragen. Die lokalen Produktionen in den Minen oder Erdwerken sollen beschrieben, sowie Ranking und Rolle der einzelnen Fundstellen in Bezug auf die Produktions- oder Verteilerkontrolle bestimmt werden.
- Beteiligte Wissenschaftler. F. Bostyn, H. Collet, F. Charraud, N. Le Maux, L. Manolakakis

Salzgewinnung. Hessen und Sachsen-Anhalt (O. Weller, S. Friederich, K. Sommerwerk)
- Ziele. Die Nutzung der Salzquellen im Jungneolithikum, welche in der Freigrafschaft Burgund/Jura nachgewiesen und untersucht wurde, zeigt, dass ein starker räumlicher Bezug zwischen den Rohstoffquellen und der Lage von Erdwerken und befestigten Spornsiedlungen besteht. Eine analoge Untersuchung soll in zwei Teilarbeitsgebieten des Transsekts in Hessen und in Sachsen-Anhalt durchgeführt werden.
- Beteiligte Wissenschaftler. A. Dufraisse, S. Friederich, C. Galinand, M. Hees, A. Kreuz, K. Sommerwerk, O. Weller.

Organisationsstruktur des Siedlungsterritoriums und der Gesellschaft (M. Chartier, J.-P. Demoule, F .Giligny, D. Gronenborn, F. Lüth)
Die Untersuchungen in den Teilprojekten bilden die Grundlage für den intrakulturellen Vergleich der soziokulturellen Prozesse in den verschiedenen Gebieten der Michelsberger Kultur. Dafür ist die Generierung von einheitlichen Daten und deren Aufbereitung in einer zentralen Datenbank notwendig. Auf dieser Grundlage lassen sich standardisierte Methoden für die multidimensionalen und raumbezogenen Analysen anwenden. Die dafür erforderliche Infrastruktur schließt einen zentralen Server, zentrale Datenbanken und den Einsatz von Open Source GIS-Lösungen mit ein.
- Ziele. Eines der Hauptziele des Forschungsprogramms ist das Erarbeiten eines Landnutzungsmodells, das archäologische Informationen und Umweltdaten verbindet. Ab der zweiten Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrtausends besteht ein Bezug zwischen der Hierarchisierung des Siedlungsterritoriums und den Verbreitungsgebieten der Produktionen. Es soll die Rolle der Silexbeilherstellung im Pariser Becken während der Michelsberger Kultur sowie diejenige der Salzgewinnung auf deutscher Seite in Bezug auf die regionale Strukturierung der Territorien untersucht werden. Das Netz an Erdwerken scheint in Regionen mit starker Nutzung von Silexrohmaterial oder mit einem großen Potential an Salzvorkommen, die gleichzeitig auch die ersten Kolonisationszentren bei der Neolithisierung waren, dichter zu sein. Die Siedlungslagen ändern sich ebenfalls, es werden niedrige Lagen und feuchte Zonen wie Moorränder und Wasserrinnen besiedelt, sicherlich in Zusammenhang mit Weideaktivitäten und der Nutzung von Feuchtwiesen.

       
       
NOUS CONTACTER :

UMR 8215 - Trajectoires

21 Allée de l'Université
92023 NANTERRE CEDEX