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Hauptergebnisse


Im Hinblick auf die im Rahmen des Projektes ausgewerteten Daten zur Paläoumwelt konnte für die Zeit zwischen 5200 und 3400 cal BC das Vorhandensein von flächendeckend dichten Wäldern bestätigt werden. Ab 4500 BC verläuft diese Entwicklung lokal unterschiedlich, entweder mit einer Abnahme oder aber mit einem leichten Anstieg der Baumarten, insbesondere im flussabwärtigen Marnebecken. Die Holzkohleuntersuchungen zeigen, dass die Beschaffung der Holzressourcen in der Michelsberger Kultur und den angrenzenden Gruppen einheitlich ist (Spiere und nördliches Chasséen): sie stammen aus Eichenlaubwald mit seinen Randbereichen bzw. aus Wäldern im Flussuferbereich.
Bei der Analyse der Tierknochenreste konnte herausgestellt werden, dass bezüglich Widerristhöhen der Haustiere große Übereinstimmungen zwischen den Fundstellen in Frankreich und Deutschland bestehen. Zudem lässt sich im Vergleich zum Frühneolithikum ein leichtes Abfallen der Werte verzeichnen. Kastrierte Rinder, d.h. Ochsen konnten identifiziert werden und lassen auf eine Verwendung als Zugtiere schließen. Die Viehhaltung ist auf Fleischproduktion auf der Basis von Jungtieren (2 - 4 Jahre für Rinder, 5 -14 Monate für Schweine und 2-12 Monate für Schafe/Ziegen) ausgerichtet. Die Herstellung von Milchprodukten, die zu dieser Zeit bereits bekannt ist, wird als wahrscheinlich betrachtet. Komplex zusammengesetzte Deponierungen von Tieren können von einer zur anderen Fundstelle variieren und haben Symbolcharakter: sieben verschiedene Kategorien kommen in den Erdwerken vor, vom einzelnen Knochen bis zum kompletten Skelett (z. B. Deponierung von Hunden), über Anhäufungen von Knochen, sowie Wirbeln und/oder Gliedmaßen im Knochenverband.
Eine starke Variabilität in Bezug auf die Herstellungstechniken der Keramik stellte sich zwischen den Fundstellen heraus, auch innerhalb derselben Region. Diese Variabilität, insbesondere die Richtung, in der die Tonwülste angebracht werden, kann weder chronologisch, noch geographisch oder funktional interpretiert werden, wie es die Ergebnisse aus dem Aisne-Tal zeigen. Um diese Unterschiede zwischen gleichzeitigen, benachbarten Siedlungen zu erklären, wurde eine Interpretation im Sinne von Lernverhältnissen in Betracht gezogen : Gemeinschaften von Michelsberger Töpfer/innen, die vergleichbar mit den aus der Ethnographie oder der von Handwerkerzünften bekannten Lerngemeinschaften, haben über sehr weite Entfernungen hinweg dieselben Techniken gemeinsam, entwickeln aber durch ihre sozialen Netzwerke eigene Stile in jeder einzelnen Siedlung oder Gruppe von Siedlungen. Die Tonmaterialien und die Magerung zeigen Tonrezepturen auf, die ebenfalls in benachbarten Fundstellen variieren und die sich aus einer eigenen Logik heraus ähnlich erklären lassen: mehrere Gruppen von Töpfer/innen die untereinander Kontakte haben und unterschiedliche Tonrezepturen innerhalb der Siedlungen herstellen.
Die Knochen- und Geweihindustrien aus den Erdwerken spiegeln einen Kontext wieder, in dem eher hergestellt als konsumiert wurde: ein insgesamt weniger mit einer Siedlungsfunktion, als vielmehr mit einer Verteilerfunktion bzw. Ritualfunktion der Erdwerke vereinbares Bild. Dieser Eindruck wird durch die ungewöhnliche Deponierung von vollständigen Abwurfgeweihen verstärkt. Es könnte sich hier um die Lagerung von unverbrauchtem Rohmaterial handeln. Eine wiederkehrende räumliche Verteilung der Knochenensembles kann von einem zum anderen Erdwerk beobachtet werden, wobei sich der größte Teil entlang der Wegachsen befindet.
Die Felsgesteingeräte sind durch die Verwendung von lokal anstehenden Rohmaterialien (überwiegend Kalkstein, Sandstein) gekennzeichnet, sowie durch einen hohen Anteil an Recycling und Wiederverwertung. Produktionsabfallstücke sind ebenfalls präsent, der Fragmentierungsgrad ist von einer zur anderen Fundstelle stark abweichend und ein neuer Gerätetyp konnte beschrieben werden.
Die Untersuchung der Entfernungen zwischen den Lagerstätten und den Siedlungen für die Siedlungsproduktion in der Michelsberger Kultur und im nördlichen Chasséen zeigte sehr unterschiedliche Strategien im Hinblick auf die Lage der Siedlungen (nicht im Zusammenhang mit Lagerstätten vs an den Abbaustellen selbst) und die Rohstoffversorgung (qualitätsvoller Silex unabhängig von der Entfernung vs lokal anstehender Silex unabhängig von der Qualität) auf. Desgleichen unterscheiden sich die Produktionstechniken der Michelsberger Kultur und der Chasséenkultur deutlich voneinander (Klingen- und Abschlagsproduktion mit verschiedenen Techniken vs Abschlag- und klingenförmiger Abschlagsproduktion durch harte Schlagtechnik). Die Michelsberger Fundstellen in Deutschland lassen annehmen, dass die Versorgung auf exogenes, qualitätsvolles Rohmaterial meist aus weit entfernten Lagerstätten ausgerichtet war. Diesbezüglich lassen sich Vergleiche mit den Michelsberger Fundstellen des Pariser Beckens und mehr noch der Champagne und Lothringen anstellen.
In Frankreich (im Westen von Paris) und in Belgien (Spiennes) konnten Produktionen aus mehreren Silexminen untersucht werden. In Spiennes, wo sowohl eine Klingen- als auch Beilklingenproduktion existiert, steht das Erdwerk unmittelbar in Zusammenhang mit dem Abbau der Silexmine (Produktionen, Topographie und Radiokarbondaten). Die Hypothese, der zufolge das Erdwerk die Kontrolle über die Mine ausübte, findet demnach eine Bestärkung. Im Chasséenkontext im Westen der Region Ile-de-France bestehen nebeneinander große und kleine Silexabbaustätten und Werkplätze für die Beilproduktion. Die Nähe der Silexmine von Flins-sur-Seine zu einem Erdwerk bestätigt dessen Bezug zur Gliederung der Steingeräteproduktion. Die dort hergestellten Beile wurden entlang der Seine und in Richtung Normandie weiter nach Westen verteilt. Beile aus exogenen Rohmaterialien, die vom Armorikanischen Massiv oder aus den Alpen stammen, sind parallel dazu im Umlauf. In Chasséenkontext treten sie zahlreicher auf als in Michelsberger Kontext, wo sie selten sind bzw. fehlen. Demnach scheint die Michelsberger Kultur sehr stark von ihren internen Versorgungsnetzwerken abhängig zu sein, sowohl auf regionaler wie auf überregionaler Ebene, gleichermaßen für die Siedlungs- als auch die Minenproduktion. Im Gegensatz dazu zeigt sich das Chasséen in Bezug auf die Siedlungproduktion als sehr undurchlässig, in gewisser Weise autark, während es in Bezug auf die Minenproduktion gegenüber Netzwerken, die Rohstoffe aus sehr weit entfernten Lagerstätten in Umlauf bringen, geöffnet bleibt. Die raumbezogenen Analysen in einem GIS haben die Beziehungen zwischen den Erdwerken in Deutschland, den Salzquellen und den Beilen aus alpinen Gesteinen (Korrelation, Sichtprüfung, Dichte) präzisiert, während die chemischen Analysen zur Keramik dieser Fundstellen die Verwendung von Gefäßen belegt, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Salz stark korrodierten (Nahrungsmittelkonservierung).
Die Analyse der ökologischen Bedingungen hat es ermöglicht, Siedlungsmodelle vorzuschlagen. Um eine Entwicklung zu erfassen, wurden dabei auch die dem Michelsberg unmittelbar vorausgehenden Perioden miteinbezogen. So befinden sich beispielsweise die Poströssener Siedlungen (4400-4200 cal BC) im Aisne-Tal auf kleinen, überschwemmungssicheren Terrassen. Die Analyse zeigt auch die Attraktivität von Grundwasseranreicherungszonen an Plateaurändern auf, insbesondere im Abschnitt von Vaudreuil.
Verschiedene räumliche Modelle ermöglichen es, die Hypothese einer Raumordnung zu erstellen, von der lokalen zur regionalen Ebene, mit mehreren Stufen sozialer und politischer Komplexität. Neben Ähnlichkeiten in der Strukturierung der Siedlungsterritorien kann beobachtet werden, dass diese auf lokaler Ebene vergleichbare Größen besitzen mit einem Siedlungsraum in einem Umkreis von 10-15 km, in dem sich eine erste Stufe mit Siedlungen und zugehörigen Bestattungsplätzen herausbildet. Für die Michelsberger Kultur lässt sich eine zweite Stufe erfassen mit einem Siedlungsterritorium, das innerhalb eines Umkreises von 40 km alle Fundstellen um die monumentalen Erdwerke einschließt und im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit und den Nutzungsformen von Silex- und Salzressourcen steht.

Das Forschungsprogramm und die erzielten Ergebnisse sind in 10 Aufsätzen in Fachzeitschriften (davon 6 mit Peer-Review) und 25 Buchkapiteln veröffentlicht. Etwa dreißig Vorträge wurden an internationalen Tagungen, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, Belgien, Finnland, Tschechische Republik, USA, insbesondere an den Tagungen der EAA, SAA, UISPP und des WAC gehalten. Eine Session wurde eigens an der EAA-Tagung (Helsinki) organisiert. Zwei Monographien befinden sich im Druck, eine dritte, sowie ein zusammenfassender deutsch-französischer Gemeinschaftsartikel sind geplant. Die Datenbanken werden in Kürze on-line verfügbar sein. Die Datenbank soll mit einer « Client-Server-Architektur » on-line gestellt werden, die es jedem ermöglicht, eine Remote-Verbindung zu den Daten herzustellen und diese in der gesamten Datenbank zu aktualisieren. Die on-line Datenbank wird mit PostgreSQL betrieben, ein kostenloses objektrelationales Datenbankmanagementsystem (ORDBMS).

       
       
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