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Einführung


Allgemeines Projektziel und Untersuchungsschwerpunkte
Von der materiellen Kultur zur Strukturierung des Siedlungsraums: monumentale Erdwerke, Ressourcennutzung und Territorialität im Neolithikum

Das MK-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, ein entscheidendes Moment unserer Geschichte zu untersuchen. Um 4500 v. Chr. finden in den prähistorischen Agrargesellschaften tiefgreifende Veränderungen, wirtschaftlicher, sozialer, technischer und kultureller Art statt. Am markantesten ist mit Sicherheit das Auftreten von großen, mit komplexen Graben- und Palissadensystemen umgebenen Anlagen in der Landschaft [poster EAA]. Insgesamt lässt sich eine intensive Nutzung der natürlichen Rohstoffe wie Felsgestein, Silex, Salz, etc. beobachten, die gleichzeitig klare Anzeichen für soziale Differenzierung erkennen lässt. Ziel des Forschungsprogrammes ist eine detaillierte Untersuchung der Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen dieser frühen Prozesse sozialer Komplexität in Nordwesteuropa. Die Michelsberger Kultur (MK), die sich zwischen 4200 und 3600 v. Chr. über ein Gebiet von der Normandie im Westen bis nach Sachsen-Anhalt im Nordosten erstreckt, das je zur Hälfte in Frankreich und in Deutschland liegt, wurde ausgewählt, da die zur Verfügung stehenden Daten umfangreich sind, aber nicht zusammenfassend ausgewertet wurden. Zudem besteht auf wissenschaftlicher Ebene eine lange Tradition deutsch-französischer Zusammenarbeit, die gegenseitigen Methodenaustausch ermöglicht.

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Eingesetzte Methoden oder Technologien
Untersuchungen zur Paläoumwelt, technologische Herangehensweisen und räumliche Analysen (Datenbanken, mikroskopische Analysen, GIS)

Ein großes Ost-West-Transekt, das sich von der Normandie bis nach Sachsen-Anhalt erstreckt, wurde beispielhaft untersucht. Eine globale Datenbank erfasst vereinheitlicht die Informationen, die sich sowohl auf die archäologischen Fundstätten (Erdwerke, C14-Daten, topographische Lage, etc.) als auch auf die Umwelt (Pollenanalyse, mineralische Rohstoffe, etc.) und die Techniken (Produktion und Verbreitung der Silexgeräte, Herstellung von Knochenartefakten, Viehzucht, Ackerbau, Salzgewinnung, etc.) beziehen. Diese Daten sollen es ermöglichen, zu verstehen, wie die Siedlungsterritorien, mit großen, vielfältig genutzten zentralen Erdwerken, einfachen Siedlungen und Bestattungsplätzen [plaquette Beaurieux], aufgebaut waren und wie die Verteilung der Hauptrohstoffe gesteuert wurde. Dazu erfolgten innerhalb des Forschungsprogrammes gleichzeitig gezielte Feldarbeiten (geophysikalische Prospektionen, Bohrungen, Sondagen, Ausgrabungen), Untersuchungen und Laboranalysen (Mineralogie, Gesteinskunde, Gebrauchsspurenanalyse, typologische und technologische Analysen, Pollenanalyse, Radiokarbondatierungen, chemische Analysen…), sowie die Verarbeitung räumlicher Daten in einem GIS (georeferenzierte Datenbanken, statistische Methoden, Modellisierung…).

Hauptergebnisse des Projektes
Neben den gemeinsam genutzten Arbeitsmitteln (Datenbanken, GIS, Technologien, Magnetmessung…), die eine einzigartige dokumentarische Grundlage zur Michelsberger Kultur (4200-3600 cal BC) bilden, gab das MK-Projekt die Möglichkeit, den Rahmen und die Entwicklung der natürlichen Umwelt genauer zu erfassen, ebenso wie die Funktion und Nutzung der ersten großen Anlagen. Diese Erdwerke, die nicht für Bestattungen dienten, stehen im Zusammenhang mit einer intensiven, zuvor in diesem Masse unerreichten Nutzung von natürlichen Ressourcen (Silexminen) oder aber von bis dato unerforschten strategischen Ressourcen (Salzgewinnung aus Salzquellen). Es galt abschließend, neue Modelle zur Territorialität zu erarbeiten, sowie innovative Hypothesen zum Auftreten sozialer und politischer Komplexität zu erstellen.
Wissenschaftliche Publikationen
Das Forschungsprogramm und seine Ergebnisse wurden in insgesamt 10 Artikeln (davon 6 in Fachzeitschriften mit Peer-Review) und 25 Buchkapiteln veröffentlicht, sowie anlässlich von etwa dreißig Vorträgen bei internationalen Tagungen in Frankreich wie im Ausland (Deutschland, Belgien, Finnland, Tschechische Republik, USA) vorgestellt, insbesondere an den Kongressen der EAA (European Association of Archaeologists), SAA (Society for American Archaology), UISPP (Union Internationale des Sciences Pré- et Protohistoriques) und des WAC (World Archaeological Congress). Im Rahmen des EAA-Kongresses (Helsinki) wurde eine thematische Session organisiert. Zwei Monographien befinden sich im Druck, eine dritte, sowie ein zusammenfassender deutsch-französischer Gemeinschaftsartikel sind geplant. Die Datenbanken werden in Kürze on-line verfügbar sein. Schließlich werden die Datenbanken, die online gestellt.

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Organisation territoriale et socio-politique (c. 4000 BC)


       
       
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